
Die Agilitätsformel:
Warum Composable Enterprise das Ende starrer Monolithen und der Schlüssel zur digitalen Resilienz ist
In einer Geschäftswelt, die von ständigen Disruptionen und exponentieller Marktdynamik geprägt ist, wird Agilität zur überlebenswichtigen Kernkompetenz. Paradoxerweise steht dieser Imperativ oft im direkten Konflikt mit den technologischen Realitäten vieler etablierter Unternehmen. Wir sprechen hier von den Monolithen – den über die Jahre gewachsenen, komplexen Enterprise-Systemen (wie ERP oder CRM), die zwar das Rückgrat des Geschäfts bilden, aber jede Anpassung in ein zeit- und kostenintensives Projekt verwandeln.
Jede neue Marktanforderung, jeder Wunsch nach einem spezifischen digitalen Kunden- oder Mitarbeitererlebnis, wird zu einem zähen Ringen mit starren Architekturen. Das Ergebnis: Die Fachabteilungen weichen auf Schatten-IT aus, während die zentrale IT zur reinen Wartungs- und Integrationsstelle degradiert wird.
Die Lösung für dieses Dilemma liegt in einer grundlegenden architektonischen Neuausrichtung: der Composable Enterprise.
Quelle: Gartner Report:
„Becoming Composable: A Gartner Trend Insight Report“ (veröffentlicht/aktualisiert ca. 2020/2021)
Was verbirgt sich hinter dem Konzept der Composable Enterprise?
Die Composable Enterprise (manchmal auch Composable Business genannt) ist kein einzelnes Tool oder eine neue Technologie, sondern ein strategisches Paradigma. Sie ist die konsequente Weiterentwicklung agiler Methoden, Microservices und der API Economy.
Anstatt das Unternehmen in einem einzigen, untrennbaren Software-Block abzubilden, wird die IT-Landschaft in diskrete, unabhängige und austauschbare Business Capabilities zerlegt.
Definition: Eine Business Capability ist eine klar definierte Geschäftsfunktion (z.B. „Kundeninformationen verwalten“, „Preis berechnen“, „Bestellung abwickeln“), die durch einen modularen Baustein – typischerweise einen Microservice, eine spezifische Cloud-Lösung oder eine Low-Code-Anwendung – realisiert wird. Diese Bausteine sind über standardisierte APIs miteinander verbunden.
Das zentrale Versprechen lautet: Wenn das Unternehmen eine neue Geschäftsfunktion oder einen neuen Prozess benötigt, muss es nicht den gesamten Monolithen umprogrammieren, sondern kann die benötigten Capabilities einfach komponieren, neu arrangieren oder durch bessere Module ersetzen.
Die drei Dimensionen der Composable Architecture
Der Weg zur Composable Enterprise basiert auf drei essenziellen Säulen:
1
Die Bausteine – Modulare Technologie
Dies ist die technische Basis. Sie umfasst die Zerlegung des Systems in unabhängige Services. Die Wahl der Technologie ist dabei flexibel:
- Microservices: Für Kernfunktionen, die hohe Leistung und Skalierbarkeit benötigen.
- SaaS/PaaS-Lösungen: Spezialisierte Dienste, die einfach per API integriert werden können (z.B. Payment-Services, spezifisches Logistik-Management).
- Legacy-Wrapper: Die bestehenden Monolithen werden nicht sofort ersetzt, sondern durch eine API-Schicht „gekapselt“, um ihre Daten und Logik als Bausteine verfügbar zu machen.
2
Der Klebstoff – Kompositionsfähige Daten und Prozesse
Die größte Herausforderung liegt nicht in der Erstellung der Bausteine, sondern in ihrer intelligenten Zusammensetzung. Hier spielt der API-Layer (API Management) die zentrale Rolle, um eine standardisierte Kommunikation und den sicheren Austausch von Daten zwischen den Modulen zu gewährleisten.
3
Die Kultur – Composable Denken
Dieser Aspekt ist der wichtigste und oft vernachlässigte. Die Organisation muss lernen, in Business Capabilities und nicht in „Abteilungssoftware“ zu denken. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen der IT und den Fachabteilungen, wobei die IT die Bausteine bereitstellt und die Fachabteilungen (oft unterstützt durch Citizen Developer) die Komposition übernehmen.
Die Microsoft Power Platform als idealer Kompositions-Layer
Gerade im Kontext großer Enterprise-Kunden erweist sich die Microsoft Power Platform als ein optimaler Beschleuniger für die Composable Enterprise.
Die Power Platform ist per Definition ein Kompositions-Layer. Sie ermöglicht es, Business Capabilities (unabhängig davon, ob sie in Azure, in einem lokalen ERP oder in einer externen SaaS-Anwendung liegen) auf eine schnelle und visuelle Weise zu einer spezifischen Fachanwendung zu verbinden:
IT-Projekte sind Vertrauenssache. Gerade wenn es um sensible Daten, kritische Infrastrukturen oder langfristige Partnerschaften geht, ist die Nähe zum Dienstleister ein entscheidender Vorteil. Persönlicher Kontakt, gemeinsame Sprache, schnelle Reaktionszeiten – all das sind weiche Faktoren, die in einer harten Sicherheitswelt oft den Unterschied machen.
Die Power Platform senkt die Eintrittsbarriere für die Entwicklung und verlagert die Innovationsfähigkeit hin zu den Fachabteilungen, während die zentrale IT die Governance und die Sicherheit der zugrundeliegenden Services gewährleistet.
Die messbaren Vorteile der Composable Enterprise
Die strategische Umstellung auf eine Composable Enterprise liefert handfeste, messbare Vorteile, die die digitale Resilienz des Unternehmens nachhaltig stärken:
- Höhere Geschwindigkeit (Time-to-Market): Neue Services oder Prozessanpassungen können durch die Neuzusammensetzung vorhandener Bausteine in Wochen statt Monaten realisiert werden.
- Reduziertes Risiko (Fehler und Kosten): Da die Bausteine isoliert sind, können sie unabhängig voneinander gewartet, aktualisiert und ausgetauscht werden. Ein Fehler in einer Komponente legt nicht das gesamte System lahm.
- Zukunftsfähigkeit (Lock-in-Vermeidung): Ist ein Baustein veraltet oder leistungsschwach, wird er ausgetauscht, ohne die Anwendungen (die Kompositionen) darüber zu beeinflussen.
Digitale Resilienz: Der strategische Mehrwert der Composable Enterprise
Das primäre strategische Ziel der Composable Enterprise ist die Erreichung Digitaler Resilienz. Dieser Begriff geht über die bloße Business Continuity (die Fähigkeit, bei Ausfällen weiterzuarbeiten) und die Agilität (die Fähigkeit, sich schnell anzupassen) hinaus.
Digitale Resilienz beschreibt die übergreifende Fähigkeit eines Unternehmens, sich proaktiv und reaktionsschnell auf jegliche Form von digitaler Störung einzustellen – sei es ein massiver Cyberangriff, eine disruptive Marktverschiebung durch einen neuen Wettbewerber oder ein unvorhergesehenes regulatorisches Ereignis. Es ist die Kombination aus technologischer Robustheit, organisatorischer Lernfähigkeit und Business-Agilität.
Die Composable Architecture ist die technologische Grundlage dafür, da sie Resilienz durch Modularität schafft:
Kurz gesagt: Die Composable Enterprise realisiert Digitale Resilienz, indem sie das monolithische Risiko in beherrschbare, isolierte Einheiten zerlegt und das Unternehmen organisatorisch darauf trimmt, Innovation und Störungsmanagement als zwei Seiten derselben Medaille zu betrachten.
Fazit: Strategie vor Technologie
Die Composable Enterprise ist die logische Antwort auf die Forderung nach maximaler Agilität in einem komplexen IT-Umfeld. Sie transformiert die IT-Abteilung vom Gatekeeper zum Business Enabler.
Für Unternehmen, die den Weg der Composable Enterprise erfolgreich beschreiten wollen, ist eine fundierte strategische Prozess- und Architekturanalyse unerlässlich. Es geht nicht darum, blind neue Technologien einzuführen, sondern die bestehenden Business Capabilities
Nächster Schritt: Ist Ihre IT „Composable Ready“?
Die Definition der Business Capabilities und die Ableitung der passenden Architektur ist ein komplexer Prozess.
Wir unterstützen Sie dabei, Ihre bestehende Systemlandschaft zu analysieren, die essenziellen Business Capabilities zu identifizieren und einen schrittweisen Transformationsplan zur Composable Enterprise zu entwickeln – mit der Microsoft Power Platform als Ihrem zentralen Agilitätsmotor.
Was ist Ihre aktuelle Herausforderung?
Lassen Sie uns darüber sprechen, oder schreiben Sie mir.
Heinz Gerd Klein
Head of IT Solutions
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RDS CONSULTING – Ihr IT Services Dienstleister aus Düsseldorf
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