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SERIE: Change Curve – Reaktionen verstehen und neue Perspektiven eröffnen 

SERIE: Change Curve – Reaktionen verstehen und neue Perspektiven eröffnen 

 

In dieser Aritkelserie zum Thema CHANGE MANAGEMENT schreibt Mareike Glanz, Process Management Consultant bei RDS CONSULTING, über einige theoretische Methoden und Ansätze, die helfen IT-Prozesse besser zu verstehen und entsprechend zu managen.

 

Teil 2: Change Curve – Reaktionen verstehen und neue Perspektiven eröffnen 

Erfolgversprechend für weitreichende Veränderungen ist der psychodynamische Ansatz mit der Intention, zunächst Reaktionen zu verstehen und dem Einzelnen dann bei der Verarbeitung eines Changes und der daraus entstehenden Unsicherheit zu helfen um neue Perspektiven zu öffnen. Ein besonders interessantes und universell einsetzbares Modell hierzu ist die Change Curve nach Kübler-Ross, weiterentwickelt durch Adams, Hayes and Hopson (1976).*
Dieses Modell geht davon aus, dass jeder, der mit einer Änderung konfrontiert wird bewusst oder unbewusst die einzelnen Stufen durchläuft. Somit unterliegen auch das Selbstvertrauen und die Arbeitsleistung der Schwankung, die durch diese Gefühle ausgelöst wird.
Während meiner jahrelangen Tätigkeit als Beraterin habe ich immer wieder beobachten können, dass die Menschen, auf die ich tagtäglich treffe, die  einzelnen Phasen unterschiedlich schnell und intensiv durchleben. Dementsprechend verweilen sie auch unterschiedliche lange in den Phasen und reagieren je nach Zeitpunkt verschieden.

„Der Ablauf der Change-Kurve lässt sich besonders gut an einem Beispiel aus dem tagtäglichen Leben erklären – dem täglichen Weg zur Arbeit.“

Unser Kollege Mike fährt schon seit langer Zeit täglich den gleichen Weg zur Arbeit. Die Strecke ist optimiert, er kennt die besten Schleichwege und weiß genau, wo und wann er einen kurzen Rückstau zu erwarten hat.

Schock

Als Mike neulich eben diesen bekannten Weg fuhr, gab es eine böse Überraschung! Die schöne lange Straße war scheinbar über Nacht zur Einbahnstraße gemacht worden. Er wusste überhaupt nicht, wo er nun entlang fahren sollte. Zumal es außer Mike auch einigen anderen Menschen so ging. Mit erheblicher Verspätung kam er schließlich im Büro an.

Leugnen

„Bestimmt nur eine Baustelle“ sagte er sich, denn er konnte sich absolut nicht vorstellen, dass dieser optimale Weg nun für den Durchgangsverkehr verbaut sein sollte. „Bestimmt ist in zwei oder drei Wochen alles wieder beim Alten.“

Wut

Daraus wurde natürlich nichts. Die Straße blieb eine Einbahnstraße, leider immer noch in die falsche Richtung. Jeden Morgen der gleiche Kampf. Stau soweit das Auge reicht. Mike musste mindestens eine halbe Stunde früher aus dem Haus, um überhaupt noch pünktlich anzukommen. Nicht gerade ein guter Start in den Tag. Mike war sauer! Wer kommt auf so verrückte Ideen, einfach die Verkehrsführung zu ändern? War doch alles prima, so wie es war!

Verhandlung

An dem Zustand musste sich etwas ändern. Vielleicht konnte man bei der Verkehrsplanung etwas erreichen? Gerichtlich die alten Wege wieder öffnen lassen? Eine Bürgerinitiative anstoßen? Was musste er tun, damit Mike seinen lieb gewonnenen Weg wieder zurückbekommt?

Depression

Erst ist es nur eine Ahnung, aber es wird mehr und mehr zur Gewissheit. Die Straße bleibt gesperrt. Unser armer Kollege Mike muss damit leben, dass er nun 45 statt 30 Minuten zur Arbeit benötigt. Er fühlt sich unmotiviert zur Arbeit zu fahren und überlegt manchmal, einfach alles hinzuschmeißen.

Akzeptanz

Die Dinge sind nunmal so, wie sie sind. Mike wird sie nicht ändern können und so ist es jetzt. Das ist nicht schön, aber Mike merkt, dass es ihm besser geht, wenn er sich nicht jeden Morgen über den Umweg ärgert, sondern sich auf seine eigentliche Arbeit freut. Ändern wird sich eh nichts mehr. Hätte Mike jetzt erst an diesem Arbeitsplatz angefangen, wie sein neuer Kollege Thomas, würde er auch gar nicht anders kennen und es wäre OK.

Experimentieren

Seit Mike akzeptiert hat, dass sein alter Schleichweg nicht mehr existiert, fährt er wieder entspannter zur Arbeit. Er probiert die verschiedenen Wege aus. Auch die, die früher keinen Sinn machten, weil sie langsamer waren. Er testet unterschiedliche Abfahrtszeiten, für den optimalen Zeitpunkt und möglichst wenig Stau.

Entdecken

Jetzt will Mike es genau wissen. Er stellt fest, dass sich die Straßenplanung an einigen Stellen verändert hat, während er immer seinen gewohnten Weg gefahren ist. Jetzt will er herausfinden, was es mit dem Ganzen auf sich hat, welche Verbesserungen es vielleicht gibt. Möglicherweise ist der Verkehrsfluss insgesamt ja besser geworden.

Integration

Mike hat einen neuen, optimalen Weg gefunden. Dieser ist fast genauso schnell wie der alte Weg, aber eigentlich sogar besser zu fahren und seinen regelmäßigen Besuch im Supermarkt kann er gleich mit erledigen, denn der liegt praktisch auf dem Weg. Mike hat den Weg als „seinen“ Weg anerkannt.

Nun kennen wir den Wirbelsturm der Gefühle, den ein Mensch durchlebt, der sich einer Veränderung ausgesetzt fühlt. Der ein oder andere wird beim Lesen dieses Beispiels verständnisvoll genickt haben. Wir alle kennen diese Situationen, wenn etwas Neues unseren Weg (durch)kreuzt.

Die Hauptaufgabe des Change Mangements ist es, die Menschen durch die unterschiedlichen Stadien zu begleiten, Unterstützung und Hilfe anzubieten ohne Druck oder Zwang auszuüben. Nur so können Veränderungen letztlich erfolgreich eingeführt und durch eine hohe Akzeptanz auch beibehalten werden.

 

Teil 1 verpasst? Dann hier klicken und schnell nachlesen:  Den Wandel unterstützen

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